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[AZA 0/4]
5C.82/1998
126 III 209
 
37. Auszug aus dem Urteil der II. Zivilabteilung vom 29. Februar 2000 i.S. Martin Gottlieb Kraska gegen Ringier AG und Y. (Berufung)
 
Persönlichkeitsverletzung; Tragweite von Rechtfertigungsgründen (Art. 28 Abs. 2 ZGB) und Urteilspublikation (Art. 28a Abs. 2 ZGB).
Der Richter ist verpflichtet, persönlichkeitsverletzende Aussagen in einer Presseberichterstattung und die vom Medienunternehmen geltend gemachten Rechtfertigungsgründesorgfältig gegeneinander abzuwägen; tatsachenwidrigepersönlichkeitsverletzende Äusserungen lassen sich mit dem Informationsauftrag der Presse kaum je rechtfertigen (E. 3aund 3b). Hat der behandelnde Arzt eine ihm amtlichübertragene Pflicht verletzt, darf sein Name im Pressebericht erwähnt werden (E. 4).
Der für die Publikation bestimmte Urteilstext mussdiejenigen Punkte der persönlichkeitsverletzenden Berichterstattung nennen, die widerrechtlich (geblieben)sind, und muss so abgefasst sein, dass er denpersönlichkeitsverletzenden Eindruck, den die Adressatender verletzenden Mitteilung gewinnen mussten, beseitigenkann (Verhältnismässigkeitsgebot, E. 5a und 5b).
 
Protection de la personnalité; portée des motifsjustificatifs (art. 28 al. 2 CC) et de la publication dujugement (art. 28a al. 2 CC).
Le juge est tenu de confronter soigneusement lesaffirmations portant atteinte à la personnalité contenuesdans un article de presse avec les motifs justificatifsinvoqués par l'entreprise de médias; les déclarationserronées attentatoires aux intérêts personnels ne peuventguère être justifiées par la mission d'information de lapresse (consid. 3a et 3b). Le nom du médecin traitant ayantviolé un devoir qui lui est officiellement confié peut êtrementionné dans l'article de presse (consid. 4).
Le texte du jugement destiné à la publication doitindiquer quels sont les points du compte rendu qui portentatteinte à la personnalité et demeurent illicites, et doitêtre rédigé de telle sorte qu'il soit propre à écarterl'impression que l'atteinte a produite auprès desdestinataires de la communication lésive (principe de laproportionnalité; consid. 5a et 5b).
 
Lesione della personalità; portata dei motivigiustificativi (art. 28 cpv. 2 CC) e pubblicazione dellasentenza (art. 28a cpv. 2 CC).
Il giudice è tenuto a ponderare accuratamente ledichiarazioni lesive della personalità contenute inarticoli di stampa e i motivi giustificativi fatti valeredall'impresa responsabile del mezzo di comunicazione; dichiarazioni lesive della personalità in contrasto con ifatti non possono praticamente mai essere giustificatedalla missione d'informazione della stampa (consid. 3a e3b). Se il medico curante ha violato un dovere conferitogliufficialmente, il suo nome può essere menzionatonell'articolo di stampa (consid. 4).
Il testo della sentenza destinato alla pubblicazione devemenzionare i punti del resoconto lesivi della personalità, che sono (rimasti) illeciti e deve essere redatto in modotale da eliminare l'impressione che l'offesa ha suscitatonei destinatari della comunicazione lesiva (principio dellaproporzionalità, consid. 5a e 5b).
 
Im "Sonntagsblick" vom 22. Mai 1994 erschien ein von Y. verfasster Artikel, in dem über die Einweisung deralkoholkranken "Maya Z." in die psychiatrische Klinik Rheinau am 17. März 1993 berichtet wurde; die Einweisunghatte der die Patientin seit dem November 1991 behandelnde Arzt Martin Gottlieb Kraska angeordnet. Unter der mehr alssechs Mal grösser als der Text und fett geschriebenenÜberschrift "Diagnose per Telefon! Arzt liess Patientin in Psychi einsperren" des Artikels stand folgender, wenigerstark hervorgehobener Lead: "ZÜRICH - Ein krasser Fall: Der Arzt Martin Kraska wies eine Patientin (48) aufgrund von Telefongesprächen mit dem Ehemann in die Psychiatrische Klinik Rheinau ein. Ohne die Patientin persönlichuntersucht zu haben!" Danach wurde unter dreimaliger Wiederholung des Namens des Arztes in vier Spalten über den Vorfall vom 17. März 1993 berichtet. Der auf Hausbesuchespezialisierte Mediziner habe die Patientin ohne Konsultation vor Ort gestützt auf einen Telefonanruf des Ehemannes unverzüglich in die Klinik einweisen lassen unddafür aufgrund einer einzigen Konsultation nach der Entlassung eine übersetzte Rechnung gestellt. Die Patientinwerde gegen den Arzt und die Klinik auf Schadenersatzklagen. Der Artikel enthielt zwei zwischen Balken gesetzteund fett geschriebene Zwischentitel: "Acht Tage ausharreninmitten schwerkranker Psychiatrie-Patienten" sowie "Jetztkommt's zur Klage gegen verantwortlichen Arzt und Klinik Rheinau".
Die Klage gegen die Ringier AG (Beklagte 1) und Y. (Beklagten 2), mit der Martin Gottlieb Kraska die Feststellung der Verletzung seiner Persönlichkeit durch den Artikel vom 22. Mai 1994, die Publikation des Urteilsdispositivs an geeigneter Stelle im Sonntagsblickund eine Genugtuung verlangt hatte, wies das Bezirksgericht Zürichmit Urteil vom 31. Oktober 1996 ab. Der Kläger gelangte mit Berufung vergeblich an das Obergericht des Kantons Zürich. Mit Beschluss und Urteil vom 13. Februar 1998 berichtigtedieses eine Parteibezeichnung, trat auf das Begehren um Ausrichtung einer Genugtuung in einer durch das Gericht zubestimmenden Höhe nicht ein (Dispositiv-Ziff. 1 und 2 des Beschlusses) und wies das Feststellungs- und das Publikationsbegehren ab (Dispositiv-Ziff. 1 des Urteils).
Martin Gottlieb Kraska beantragt dem Bundesgericht mit Berufung, der Beschluss und das Urteil des Obergerichts vom13. Februar 1998 seien aufzuheben, es sei festzustellen, dass der Zeitungsartikel vom 22. Mai 1994persönlichkeitsverletzend sei, und das Urteilsdispositivsei in mit der Publikation des Artikels vergleichbarer Weise, nämlich im Leserbriefteil oder eventuell auf S. 6des redaktionellen Teils des Sonntagsblicks zu publizieren.
 
Aus den Erwägungen:
 
3.- Das Obergericht ist der Ansicht, das Wächteramterlaube der Presse, über fragwürdige Geschäftsgebaren zuberichten. Dieses habe hier darin bestanden, dass der Kläger gegen den damals geltenden § 117c aEGzZGB/ZHverstossen habe, indem er die Patientin ohne vorgängigepersönliche Konsultation in die Anstalt einwies. Weil ernicht habe rechtfertigen können, dass er die Patientin am17. März 1993 nicht begutachtet hat, bleibe es bei der ihmanzulastenden Verletzung von § 117c aEGzZGB/ZH. Indem die Vorinstanz die Klage abweist, kommt sie im Ergebnis zum Schluss, die Pressemeldung sei insgesamt gerechtfertigt unddamit auch insoweit, als dem Artikel entnommen werdenkönnte, der Kläger habe eine ihm unbekannte Person ohnehinreichende medizinische Gründe eingewiesen, was beidesden verbindlichen Feststellungen im angefochtenen Entscheid(Art. 63 Abs. 2 OG) widerspricht. Auf Rechtfertigungerkennt es insoweit zwar nicht ausdrücklich; dieses Ergebnis folgt aber zwingend aus der Abweisung der Klageeinerseits und der zuvor gezogenen Schlussfolgerung, die PersönlichkeitdesKlägersseischwerverletztworden, andererseits. Unter Hinweis auf die Problematik der Rechtfertigungsgründe und auf die Notwendigkeit einer Interessenabwägung bestreitet der Kläger zunächst, dass der Informationsauftrag der Presse sein Schutzbedürfnis zuüberwiegen vermag. In einer Art. 55 Abs. 1 lit. c OGgenügenden Weise (BGE 116 II 745 E. 3 S. 749) macht erweitergeltend, es bleibe bei der Persönlichkeitsverletzung, weiler als Arzt dargestellt worden sei, der eine kerngesunde Patientin in eine Anstalt eingewiesen und dafür erst nochübersetzt Rechnung gestellt habe; dem Leser werde mit der Darstellung, die Patientin habe acht Tage unter Krankenverbringen müssen, wahrheitswidrig suggeriert, sie seigesund gewesen. Im Weiteren sei ihm die Diagnose (schwerer Alkoholabusus) schon lange vor der Einweisung bekanntgewesen, weshalb er nicht als Arzt hätte hingestellt werdendürfen, der die Patientin aufgrund eines Streites mit ihrem Mann allein wegen dessen Telefonanruf eingewiesen habe. Die Einweisung sei in der Sache richtig gewesen und von denÄrzten des Kantonsspitals Winterthur denn auch bestätigtworden, was die Beklagten einräumen.
 
a) Eine Persönlichkeitsverletzung (BGE 120 II 369 E. 2 S. 371) ist unter anderem dann nicht widerrechtlich, wenn siedurch ein überwiegendes öffentliches Interessegerechtfertigt ist (Art. 28 Abs. 2 ZGB). Das Interesse des Individuums auf Unversehrtheit seiner Person ist sorgfältiggegen dasjenige der Presse auf Information derÖffentlichkeit, hier insbesondere auf freie Informationüber unzulässiges Geschäftsgebaren (Wächteramt), abzuwägen. Bei diesem Vorgang steht dem Richter ein Ermessen zu (Art. 4 ZGB; BGE 122 III 449 E. 3b und c S. 456 f. mit Hinweisen). Dabei kann die Rechtfertigung stets nur so weitreichen, als ein Informationsbedürfnis besteht. Soweit einsolches zu verneinen ist, bleibt es bei der Widerrechtlichkeit der Persönlichkeitsverletzung (Urteiledes Bundesgerichts vom 18. Dezember 1997 i.S. V.,publiziert in SJ 1998 S. 301 E. 2a, und vom 19. Dezember1994 i.S. G., publiziert in SJ 1995 S. 669 E. 3b und 3c;vgl. A. MEILI, Basler Kommentar, ZGB Bd. I/1, N. 45 und 49zu Art. 28 ZGB). Daher ist der Informationsauftrag der Presse kein absoluter Rechtfertigungsgrund, und eine Interessenabwägung ist unentbehrlich; die Presse muss fürden Eingriff in die Persönlichkeit einen triftigen Grundhaben (BGE 109 II 353 E. 4c S. 361 f., 95 II 481 E. 7 f. S. 494 ff.). Bei umfangreicherer Presseberichterstattung mussim Rahmen des festgestellten Sachverhalts somit geprüftwerden, ob nur einzelne Artikel einer Serie oder gareinzelne Passagen eines Artikels widerrechtlich sind, wobeider Gesamteindruck massgebend ist. Gleichermassendifferenziert ist das Vorliegen von Rechtfertigungsgründenzu prüfen (unveröffentlichte Urteile des Bundesgerichts vom23. Juni 1998 i.S. D., E. 6, und vom 17. Mai 1994 i.S. T. AG, E. 3b bis e und 4; zu Letzterem H. FORKEL, Bemerkungenaus deutscher Sicht zum Urteil des Schweizerischen Bundesgerichts in Sachen Tages-Anzeiger Zürich gegen Dr. Hans W. Kopp, SJZ 92/1996 S. 97 und 100 ff.).
Da der Informationsauftrag der Presse nicht erlaubt, tatsachenwidrige (unwahre) persönlichkeitsverletzende Nachrichten zu veröffentlichen, ist deren Verbreitunggrundsätzlich nicht gerechtfertigt (BGE 119 II 97 E. 4a/bb S. 101; 111 II 209 E. 3c S. 214 mit Hinweisen). Eine Ausnahme ist beispielsweise dann denkbar, wenn über eine Pressemitteilung einer Polizeibehörde berichtet, die Quelleangegeben und der Bericht selber nicht kommentiert wird; eine Sanktion hat diesfalls in Analogie zu Art. 27 Ziff. 5 StGB zu unterbleiben (Urteil des Bundesgerichts vom 31. Oktober 1996 i.S. V., publiziert in Medialex 1997 S. 33 E. 3b und c). In zahlreichen Fällen unwahrer Berichterstattunghat das Bundesgericht mit Blick auf den erwähnten Grundsatzdaher nicht geprüft, ob eine Rechtfertigung in Frage kommt; dies selbst dann nicht, wenn der tatsachenwidrige undselbst verfasste Bericht unverschuldet oder gar in guten Treuen publiziert wurde (BGE 106 II 92 E. 2d S. 99; 103 II161 E. 1c S. 165; 91 II 401 E. 3e). Für die Beurteilung des Eingriffes in die Persönlichkeit, dessen Schwere und der Frage, welche Aussagen dem Gesamtzusammenhang eines Artikels zu entnehmen sind, mussauf den Wahrnehmungshorizont des Durchschnittslesersabgestellt werden (BGE 123 III 385 E. 4a S. 388 oben; 122 III 449 E. 2b S. 454; 119 II 97 E. 4a/aa S. 100; 111 II 209 E. 2 S. 211, Urteil des Bundesgerichts vom 31. Oktober 1996i. S. V., publiziert in Medialex 1997 S. 33 E. 4).
 
b) Vor diesem Hintergrund greift die Begründung des Obergerichts zu kurz. Der Informationsauftrag hat den Beklagten zweifellos erlaubt, darüber zu berichten, dassder Kläger die Patientin entgegen der Vorschrift deskantonalen Rechts ohne unmittelbar vorausgehende Konsultation in eine Klinik einwies. Ein weiter gehendes Informationsbedürfnis unter Verletzung der Persönlichkeitdes Klägers ist jedoch nicht ersichtlich.
aa) Aus der Überschrift "Diagnose per Telefon! Arzt liess Patientin in Psychi einsperren" und dem folgenden Lead"ZÜRICH - Ein krasser Fall: Der Arzt Martin Kraska wieseine Patientin (48) aufgrund von Telefongesprächen mit dem Ehemann in die Psychiatrische Klinik Rheinau ein. Ohne die Patientin persönlich untersucht zu haben!" muss der Leserschliessen, der Kläger habe eine Patientin nur auf Grundvon Telefongesprächen in eine Heilanstalt eingewiesen undhabe sich über deren Gesundheitszustand nicht hinreichendins Bild gesetzt. Das Obergericht führt zu Recht aus, der Artikelspiele die weitverbreitete Urangst an, gewisse Ärztekönnten ihre Macht missbrauchen, um ihre Patienten grundlosin einer Heilanstalt zu "versenken".
Dass der Kläger die Patientin vor den Telefonanrufennicht gekannt hat, wird im Artikel zwar nicht behauptet, ergibt sich aber nicht nur aus dem Lead. Denn zum einenwird im Artikel berichtet, der Ehemann habe am 17. März1993 mehrmals mit dem ihm als Notfallarzt bekannten Klägertelefoniert, bevor dieser die Einweisung denn auchangeordnet hat. Zum anderen wird ausgeführt, der Klägerhabe eine Konsultation für unnötig befunden; es kann demganzen Artikel nichts entnommen werden, was daraufschliessen lässt, dass der Kläger schon anlässlich früherer Behandlung die Diagnose gestellt hatte.
Auch dass die Patientin im Zeitpunkt der Einweisunggesund gewesen ist, wird im Artikel vom 22. Mai 1994 nichtbehauptet. Weil im Artikel festgehalten ist, dass die Patientin einige Biere trank und Schmerzmittel nahm, bevorsie zu ihrem Ehemann ging und dort zu randalieren begann, wird zwar angedeutet, dass die Patientin untergesundheitlichen Problemen gelitten haben könnte. Jedochmuss der Durchschnittsleser aus den zwei zwischen Balkengesetzten und fett geschriebenen Einschüben "Acht Tageausharren inmitten schwerkranker Psychiatrie-Patienten" und"Jetzt kommt's zur Klage gegen verantwortlichen Arzt und Klinik Rheinau" sowie auch aus den Mitteilungen, die Patientin habe ihrer Internierung nicht schriftlichzugestimmt und werde gegen den Arzt und die Klinik auf Schadenersatz klagen, schliessen, die medizinischen Gründehätten eine Einweisung nicht indizieren können. In dieser Ansicht wird der Leser auch durch die Wiedergabe der Meinung der Patientin bestärkt, ihr sei mit der Einweisung Unrecht geschehen.
Wird der Kläger als Arzt geschildert, der ohne Beachtungder Regeln der ärztlichen Sorgfalt eine ihm unbekannte Patientin ohne ausreichende medizinische Gründe in die Anstalt einweist, was nach den Feststellungen imangefochtenen Entscheid nicht zutrifft, ist seineberufliche Ehre (MEILI, a.a.O., N. 28 zu Art. 28 ZGB)widerrechtlich schwer verletzt. Weshalb es zum Informationsauftrag der Beklagten 1 gehören soll, den Kläger in ihrem Zeitungsbericht so darzustellen, obwohl die Patientin schon längere Zeit zuvor alkoholkrank gewesen undvom Kläger selber behandelt worden war, hat das Obergerichtnicht begründet. In diesen beiden Punkten verletzt der Artikel vom 22. Mai 1994 den Kläger in seiner Persönlichkeit schwer, und eine Rechtfertigung für die Verbreitung ist insoweit nicht ersichtlich (MEILI, a.a.O., N. 49 f. zu Art. 28 ZGB).
bb) Selbst wenn die Behauptung der Beklagten, der Klägerhabe die Patientin vor der Einweisung anderthalb Jahre langnicht mehr behandelt, zutrifft, rechtfertigt dies nochnicht die Unterstellung im Zeitungsartikel vom 22. Mai1994, der Kläger habe weder die Patientin noch ihren Gesundheitszustand gekannt; der Einwand, dessentatsächliche Basis für das Bundesgericht nicht festgestelltist (Art. 63 Abs. 2 OG), vermöchte die Widerrechtlichkeitdes Eingriffs in das Persönlichkeitsrecht des Klägers indiesem Punkt lediglich abzuschwächen, nicht aber aufzuheben.
Soweit die Beklagten der Meinung sind, der Artikel vom22. Mai 1994 sei insgesamt dadurch gerechtfertigt, dass der Kläger die Patientin ohne vorgängige Konsultation in die Klinik einwies, verkennen sie, dass dies nur den Bericht zurechtfertigen vermag, der Kläger habe die Patientinunmittelbar vor der Einweisung nicht mehr begutachtet undsomit gegen kantonales Recht verstossen, das dem Schutz des Patienten dient. Die Frage der Rechtfertigung ist nichtpauschal, sondern nach den einzelnen Aussagen iminkriminierten Presseartikel zu beurteilen. Vermögen die Einwände der Beklagten nicht durchzudringen, bleibt esdabei, dass der angefochtene Entscheid insoweit Bundesrechtverletzt, als darin im Ergebnis hingenommen wird, dass der Kläger von den Beklagten als Arzt dargestellt worden ist, der eine ihm unbekannte Patientin ohne zureichende Gründein eine psychiatrische Klinik eingewiesen hat. Hinsichtlichdes Vorwurfs übersetzter Honorarbemessung hat der Klägerdie Beurteilung durch das Obergericht nicht rechtsgenüglichangefochten (Art. 55 Abs. 1 lit. c OG), weshalb es insofernmit dem obergerichtlichen Urteil sein Bewenden hat.
cc) Da die Vorinstanz zwar zu Recht auf eine insgesamtschwere widerrechtliche Verletzung der Persönlichkeit des Klägers erkannt hat, dem Rechtfertigungsgrund aber eine zugrosse Tragweite beigemessen hat, ist die Berufungteilweise gutzuheissen. Auf die Bedeutung des Rechtfertigungsgrundes braucht im Urteilsdispositivindessen nicht eigens hingewiesen zu werden, weil dessen Fehlen nur zur Folge hat, dass es bei der festgestellten Widerrechtlichkeit der Persönlichkeitsverletzung bleibt.
 
4.- Der Kläger begründet die Widerrechtlichkeit der Pressemitteilung weiter damit, er sei keine Person der Zeitgeschichte, weshalb die Publikation seines Namensprinzipiell widerrechtlich sei. Diese Rüge geht fehl, weildie Veröffentlichung des Namens aus einem anderen Grundnicht widerrechtlich ist.
Weist der vom kantonalen Recht hierzu befugte Arzt eine Patientin in eine Klinik ein, handelt er in behördlicher Funktion (E. SPIRIG, Zürcher Kommentar, N. 57 zu Art. 397b ZGB). Ein Interesseder Öffentlichkeit, von fehlerhaften Amtshandlungen zuerfahren und fehlbare Amtsträger auch zu kennen, kann nichtverneint werden. Deshalb ist weder begründet nochersichtlich, weshalb im vorliegenden Fall die Nennung des Namens des Klägers im Artikel widerrechtlich (vgl. MEILI, a.a.O., N. 27 zu Art. 28 ZGB) beziehungsweise nicht durchden Informationsauftrag der Beklagten 1 gedeckt sein sollte(vgl. ähnlich zur relativen Person der Zeitgeschichte MEILI, a.a.O., N. 52 zu Art. 28 ZGB).
 
5.- Das Begehren, das Urteilsdispositiv sei invergleichbarer Weise, nämlich im Leserbriefteil odereventuell auf S. 6 des redaktionellen Teils des Sonntagsblicks zu publizieren, begründet der Kläger damit, die Publikation sei ein adäquates Mittel, den Störungszustand und die Folgen der Persönlichkeitsverletzung zu beseitigen.
a) Das vom Feststellungsanspruch abhängige Publikationsbegehren (Art. 28a Abs. 2 ZGB; BGE 118 II 369 E. 4c S. 373) zielt auf die Beseitigung der Folgen der Persönlichkeitsverletzung ab (BGE 118 II 369 E. 4c S. 373f. , 104 II 1 E. 4a mit Hinweisen; MEILI, a.a.O., N. 9 f. zu Art. 28a ZGB und A. BUCHER, Natürliche Personen und Persönlichkeitsschutz, 3. Aufl. 1999, Rz. 577 und 583 S. 142 und 144). Aus der Beseitigungsfunktion folgt zunächst, dass die Veröffentlichung möglichst die gleichen Adressatenerreichen sollte, die auch von der Persönlichkeitsverletzung erfahren hatten(unveröffentlichtes Urteil des Bundesgerichts vom 5. Juni1997 i.S. V., E. 4). Art. 28a Abs. 2 ZGB eröffnetgrundsätzlich die Wahl, das Urteilsdispositiv, einen Auszugaus dem Urteilstext oder eine Berichtigung zu publizieren. In Rücksicht auf den Willen des Gesetzgebers und auf dieoffene Formulierung des Gesetzestextes ist das Bundesgericht zum Ergebnis gelangt, dass auch Kombinationenoder Kumulationen der drei erwähnten Publikationsartenzulässig sind, wenn der Störungszustand anders nichtbeseitigt werden kann. Weiter ist zu beachten, dass auchdas Publikationsmittel demjenigen der Verletzung angepasstsein muss; somit kommen nach deren Adressatenkreis nichtnur die Massenmedien in Frage, sondern auch Rundschreiben, Flugblätter und Anschläge (unveröffentlichtes Urteil vom23. Juni 1998 i.S. D., E. 7a und b). Da die Publikation denunrichtigen Eindruck, der durch die Presseäusserungentstanden ist, korrigieren soll, ist sie der den Drittenzur Kenntnis gebrachten Persönlichkeitsverletzunggegenüberzustellen und hat in einer Weise zu erfolgen, diejener der persönlichkeitsverletzenden Tatsachendarstellungmöglichst nahe kommt. Insoweit gibt das Gesetz dem Richterauf Parteiantrag hin die Möglichkeit, die Veröffentlichungdem jeweiligen Publizitätsgrad der Persönlichkeitsverletzung selbst anzupassen(Verhältnismässigkeitsgebot). Grösse und Platzierung der Publikation richten sich nach dem Umfang und der Stellung, die der widerrechtlich in die Persönlichkeit des Verletzteneingreifende Artikel innerhalb des Presseerzeugnissesselber hatte (BGE 84 II 570 E. e S. 578; zum Ganzen MEILI, a.a.O., N. 11 ff. zu Art. 28a ZGB; BUCHER, a.a.O., Rz. 582und 585 S. 144 f.; F. RIKLIN, Schweizerisches Presserecht, § 7 Rz. 84 S. 222).
 
b) Wenn der Verletzte die Publikation wünscht, kommt aufdie von der Persönlichkeitsverletzung bis zur richterlichangeordneten Veröffentlichung verstrichene Zeit nichts an(BGE 104 II 1 E. 4b S. 4). Daher steht dem Begehren des Klägers, das Dispositiv des Urteils sei zu publizieren, nichts entgegen.
Der Umstand, dass dem Sachrichter bei der Anordnung der Urteilspublikation ein erhebliches Ermessen zustehen mussund dass dessen Urteile vom Bundesgericht entsprechendzurückhaltend überprüft werden (BGE 123 III 193 E. 2c/cc S. 199; 119 II 157 E. 2a S. 160 mit Hinweis), zwingt zum Schluss, dass das Bundesgericht seinerseits nach Ermessenüber den Antrag auf Publikation des Urteils befindet.
Ein Urteilsdispositiv muss im Hinblick auf seine Publikation durch den Richter so verdeutlicht werden, dasses geeignet ist, den falschen Eindruck despersönlichkeitsverletzenden Presseberichts bei dessen Lesern zu beseitigen (unveröffentlichtes Urteil vom 23. Juni 1998 i.S. D., E. 7c letzter Abs. ; unveröffentlichte E. 4c von BGE 104 II 1). Die Publikation ist so präzisvorzuschreiben, dass das Urteil insoweit auch vollstrecktwerden kann (BGE 100 II 177 E. 6 S. 180 f.).
 
Demnach erkennt das Bundesgericht:
 
1.- a) In teilweiser Gutheissung der Berufung wird das Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich vom 13. Februar1998 aufgehoben, und es wird in teilweiser Gutheissung der Klage festgestellt, dass der Kläger durch den Artikel im Sonntagsblick vom 22. Mai 1994 (S. 6) in seiner Persönlichkeit insoweit widerrechtlich verletzt worden ist, als er darin tatsachenwidrig als Arzt dargestellt wurde, der eine ihm unbekannte Patientin aus unzureichendenmedizinischen Gründen in eine Anstalt eingewiesen hatte.
 
b) Die Beklagte 1 wird verpflichtet, innerhalb von sechs Wochen nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils (Art. 38 OG) im redaktionellen Teil des "Sonntagsblicks" an derjenigen Stelle, wo Nachrichten aus der Region Zürich verbreitet werden, unterder fett und 1,2 cm gross geschriebenen Überschrift"Urteilspublikation zugunsten des Arztes Martin Kraska" aufeigene Kosten folgenden Text in der gleichen Schriftgrössedes persönlichkeitsverletzenden Artikels vom 22. Mai 1994zu publizieren:
In teilweiser Gutheissung der Berufung des Arztes Martin Kraska (Zürich) hat das Bundesgericht mit Urteil vom 29. Februar 2000 den Entscheid des Obergerichts des Kantons Zürich vom 13. Februar 1998 aufgehoben und dessen Urteilsspruch wie folgt neu gefasst:
In teilweiser Gutheissung der Klage des Arztes Martin Kraska (Zürich) gegen die Ringier AG und den zuständigen Redaktor des Sonntagsblicks wird festgestellt, dass Martin Kraska durch den Artikel im Sonntagsblick vom 22. Mai 1994(S. 6) in seiner Persönlichkeit insoweit widerrechtlichverletzt worden ist, als er darin tatsachenwidrig als Arztdargestellt wurde, der eine ihm unbekannte Patientin (Maya Z.) aus unzureichenden medizinischen Gründen in einepsychiatrische Klinik eingewiesen hatte.
 
c) Im Übrigen wird die Berufung abgewiesen, soweit aufsie einzutreten ist, und der Beschluss des Obergerichts des Kantons Zürich vom 13. Februar 1998 wird bestätigt.
 
Lausanne, 29. Februar 2000
 
 
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